Impressum EnglishDeutsch

„Sei stark um nützlich zu sein!“

„Zieh, zieh, zieh. Komm, Du schaffst das“, rufen einige Teilnehmer der Aktion „20022 Liegestütze für eine bessere Welt“ einem ihrer Mitstreiter zu, den die Kraft verlassen hat.

„Kämpf!“ legen sie nach und hoffen ihren am Boden liegenden Freund zu einer letzten Liegestütze motivieren zu können. Und es gelingt. Seine Beinmuskeln zittern vor Anstrengung, sein Gesicht ist verzerrt und doch schafft er es sich ein letztes Mal empor zu stemmen. Geschafft – ein kleiner persönlicher Sieg und ein Sieg für die Gute Sache.

Es ist ein schöner Sommertag Anfang Juni. Der Himmel ist blau, die Mittagssonne strahlt auf die Kölner Domplatte und es weht eine leichte Brise. Es herrscht Urlaubsatmosphäre rund um den Dom. Touristen aus aller Herren Länder flanieren auf dem Platz, machen Fotos zum Andenken oder lassen sich von den „Lebenden Statuen“ unterhalten. Und doch mischt sich in diese Idylle noch etwas anderes: Etwas elektrisierendes, lebendiges liegt in der Luft. Eine Gruppe von 40 jungen Leuten hat sich vor dem Domeingang versammelt um nicht nur die schöne Sonne zu genießen, sondern auch etwas zu bewegen – sich selbst und in der Welt. Es sind Sportstudenten und Traceure die Teilnehmer der Sportart Parkour, bei der es, kurz gesagt, darum geht in einer Stadt möglichst schnell von A nach B zu gelangen unter Überwindung sämtlicher Hindernisse.

Sie stehen gemeinsam im Kreis und warten darauf, dass es endlich um 12 Uhr losgeht. In der Mitte des Kreises türmen sich immer Rucksäcke der Teilnehmer auf. Dort steht auch der Eimer, in dem die Spenden für Krebskranke Kinder in Köln und den Naturschutzbund landen sollen. Daneben steht Claudia und ist bereit die „Weltretter“ in eine Liste einzutragen. Drei große Plakate, die der Initiator der Aktion Philipp Raasch noch bis fünf Uhr morgens fertig gestellt hat, sollen die Passanten auf die Aktion aufmerksam machen und sie vielleicht auch dazu bewegen ein paar Liegestützen zu absolvieren.

Noch ein paar kurze Instruktionen des Organisators, dann geht es los: „Und eins, und zwei, und drei, und vier“, die erste Runde Liegestütze für eine bessere Welt ist eröffnet. Nach zwanzig ist für einen kurzen Moment erstmal Schluss und Raasch versucht die Passanten lautstark zu motivieren: „Wir wollen heute die Welt retten und brauchen Ihre Hilfe.“ Auch die englischsprachigen Touristen werden sofort angesprochen: „We want to save the world“, so Claudia und prompt schließt sich ein Asiat der Aktion für einen kurzen Moment an. Diesem Beispiel folgen rasch andere, wie ein Lionsclubmitglied vom benachbarten Verkaufsstand in Kochschürze, in der Hand hält er noch Spargel und Erdbeere. Ein Flashmob, der eigentlich den nächsten Mc Donald´s stürmen wollte, eine Schulklasse, zwei Polizisten und sogar ein Rollstuhlfahrer.

Doch die Menge beginnt erst richtig in Stimmung zu kommen, als eine Lebende Statue, Charlie Chaplin persönlich, sich von seinem Sockel erhebt und in die lange Reihe der Aktivisten einreiht um mit ihnen 5 Liegestützen zu machen. Die Menge grölt und auch die Passanten sind sichtlich begeistert von dem ungewöhnlichen Schauspiel.

Als auch noch die männlichen Teilnehmer hitzebedingt ihre Oberkörper lüften gibt es auch für einen Junggesellenabschied kein Halten mehr. Kurzerhand sitzt die zukünftige Braut, in auffälliger Putzfraumontur gekleidet, auf einem starken Mann, der sich nun bei den Liegestützen ein bisschen mehr anstrengen muss

Die Stimmung ist ausgelassen, die Sonne brennt allmählich immer mehr auf der Haut und die Truppe macht sich Dank einer Verordnung des Ordnungsamtes, nach der sie alle 20 Minuten den Platz wechseln müssen, erneut in Bewegung. Schon um 12.50, knapp eine Stunde nach Beginn der Aktion sind schon 6270 Liegestützen geschafft. Trotz der Skepsis einiger Passanten „was für ein Blödsinn“, gelingt es Raasch noch vor dem offiziellen Ende der Spendenaktion um 16Uhr sein Ziel von 20022 Liegestützen für eine bessere Welt mit Hilfe vieler spontaner Helfer zu erfüllen. Inspiriert durch eine Parkourtruppe aus England, die 2022 Saltos vollführten, kam der Organisator auf Liegestütze, „da die ja jeder machen kann“. Auch wenn sich für ihn nicht alle Ziele seiner Aktion erfüllt haben, und erst die Leerung des Spendeneimers zu Tage fördern wird wie viel er wirklich für den Guten Zweck spenden kann, so ist er doch überwältigt von der Anteilnahme und der Spontaneität der Teilnehmer und Passanten. „Ich hoffe, dass es wie ein Samen ist, der wächst und viele meinem Beispiel folgen.“

In diesem Sinne „Weltretter vereinigt euch!“